Die Ferrum Edelstahlhärterei GmbH in Augustdorf gehört nicht zu den Erdgas-Großabnehmern, aber das Was-wäre-wenn Szenario ist ein wichtiges Thema. Schon länger hat sich der kaufmännische Leiter Daniel Müller aus anderen Gründen mit der alternativen Energieversorgung beschäftigt. Jetzt geht es nicht mehr al-lein um Preissteigerung für das Gas und um den Klimaschutz, sondern um die Produktionssicherheit.
Das Familienunternehmen bearbeitet jährlich 18 Millionen Teile, was 7000 Tonnen Metall entspricht. Der Gesamtenergieverbrauch des Betriebes lag im vergangenen Jahr bei 8,5 Giga Wattstunden. Der Gasanteil schwankt etwas und liegt etwas über 1 Gigawatt-Stunde.
Der Firmengründer hat in den siebziger Jahren weitsichtig geplant: „Strom wird es immer geben, bei Gas weiß man es nicht genau.“ Diese Aussage erweist sich jetzt als großes Glück. Die Energiepreise sind ein großer Kostenfaktor. Der Bedarf an Energie wird durch langfristige und vorausschauende Energie-Einkäufe mittels so genannter Tranchenkäufe über mehrere Jahre im Voraus an den einzelnen Energiebörsen gedeckt. Wenn man über Alternativen nachdenkt, dann muss man einkalkulieren, dass auch die Preise für andere Stoffe gestiegen sind. Langfristig – und dieser Prozesse wurde bereits vor knapp zwei Jahren angestoßen – wird man immer nur durch ressourcensparende Prozesse den hohen Energiepreisen begegnen können. Thema für Ferrum ist bereits seit längerem der „Green Deal“. Die europäische Kommission hat im Dezember 2019 mit dem Green Deal ein weitreichendes Programm für mehr Klima- und Umweltschutz in der EU vorgelegt. Im Zentrum des Green Deal stehen die Ziele, die EU bis zum Jahr 2050 zum ersten treibhausgasneutralen Staatenbund zu machen, die Schadstoffemission deutlich zu reduzieren und die Kreislaufwirtschaft in Europa weiter zu fördern.
Bereits vor dem Krieg in der Ukraine hat man überlegt, ob man die Produktion nicht umstellt. Ferrum wandelt 50 % des Erdgases für die Produktion in Endogas um. Vor Jahren haben wir geprüft, ob es sich rechnet, technische Gase einzusetzen, aber da war der Aufwand einfach größer. Erdgas kommt aus der Leitung und ist einfacher handelbar. Denn der Ersatzbrennstoff, der eine Komponente wäre, ist explosiv. Es müsste ein spezieller Tank angelegt werden. Und wir fragen uns natürlich auch, wie zukunftssicher diese Quelle ist. Mit Photovoltaik-Anlagen auf dem Hallendächern haben wir uns ebenfalls beschäftigt, aber die Stromspitzen in den Hauptlastzeiten kann man damit nicht auffangen. Wir planen neben den bisherigen klassischen Härteverfahren dass Laserhärten einzuführen. Erste Versuchsreihen haben eine
Energieeinsparung bis zu 95 % ergeben. Der Ansatz mit der Verlagerung von Prozessen von den klassischen Härteprozessen wie Salzbadhärten oder Nitrieren zu weniger energieintensiven Prozessen – Stichwort Klimaneutralität der EU bis 2050 – ist ein Beitrag zur Klimawende.
Aber nichts geht mal eben einfach. Als die Nachricht kam, dass Polen und Bulgarien kein Gas mehr bekommen, hat Herr Müller schon „innerlich gezuckt“. Derzeit derzeit läuft die Prüfung, ob man die Umstellung machen sollte und auch wie das vor sich gehen könnte. Selbst wenn wir den Schalter schnell umlegen wollten, es geht derzeit nur mit einem großen Vorlauf. Mindestens ein halbes Jahr Lieferzeit gibt es, es geht eher in Richtung ein Jahr. Eine Produktion umzustellen ist aufwändig. Wir haben geprüft, wo wir sparen können. Es ist kein Problem, die Heizung für die Hallen runterzufahren, da wir Wärme produzieren. Aber wir können nicht von heute auf morgen die Energieversorgung für die Produktion umstellen.